Bürgerpark Bergfrede
Der Bürgerpark Bergfrede in Hamminkeln ist ein urwüchsiges Wäldchen und einer mit Gräben durchzogen Wiesenlandschaft mit bewegter Geschichte.Gutshaus Bergfrede
Das ehemalige Herrenhaus Bergfrede geht auf eine historische turmartige Wehranlage zurück. Es gehörte einst zu den Herrensitzen der "Isselbarone". Der Name leitet sich von "Bergfred" oder "Berfes" ab – einem trutzigen Turmbau. Er diente früher als Kornkammer, Speicher und sicherer Zufluchtsort bei Überfällen. Im Turm hing eine Glocke, die bei Feuerausbruch geläutet wurde. Umlaufende Gräben und Wallanlagen sicherten das Anwesen in der Isselniederung ab. Die Katasterkarte von 1733 zeigt das Haus Bergfrede von einem Wassergraben umgeben und nur über eine Brücke erreichbar. Eigentümer in den ersten Jahren war eine Familie von Weiler von dem Gut Empel bei Rees.
Nach
mehreren Eigentümerwechseln pachtete 1884
Otto Rigaud das herrschaftliche Wohnhaus als Familiensitz, weshalb das
Gebiet heute als Rigauds Busch bezeichnet wird. Seine Vorfahren
väterlicherseits stammten aus Frankreich. Zu dem Gut gehörten früher 40
Hektar Fläche. Otto Rigaud war bei den Hamminkelnern sehr beliebt und
als hilfreicher Mann bekannt. Schon damals legte er einige schöne Wege für die
Öffentlichkeit zum Spazieren an. Während des Ersten Weltkriegs erhielt
Bergfrede eine größere Anzahl Soldaten als Einquartierung, einmal auch
eine Feldküche.Im Jahr 1953 kaufte der Gartenbauinspektor Oskar Hartmann aus Warendorf den Gutshof Bergfrede. Dieser wollte das alte Herrenhaus abreißen lassen, um dort ein achtgeschossiges Hochhaus zu errichten, was aber nicht genehmigt wurde, weil im Landschaftsschutzgebiet, in dem das Haus lag, ein so hohes Gebäude nicht errichtet werden durfte. Zudem kam noch, dass die damals entstehende Ortsumgehung Hamminkelns durch die neue B 473 den Ortskern nicht wie zuerst geplant im Westen, sondern im Osten umging. Sie zerlegte sein zusammenhängendes Waldgebiet in zwei Teilstücke.
Von 1928 bis 1961 pachtete die Familie Opgen-Rhein das Herrenhaus Bergfrede. Danach stand das alte Haus leer. Manchmal hielten sich Obdachlose in ihm auf, Jugendliche warfen die Fensterscheiben ein, Plünderer brachen die alten Delfter Kacheln von den Wänden und einmal entstand sogar ein Brand in ihm. Am Ende war das ehemalige Herrenhaus nur noch eine durch Einsturz gefährdete Ruine und wurde deshalb 1973 abgerissen. Bis heute liegen noch einige Ziegelsteine an der Stelle, wo das Haus damals stand.
Oskar Hartmann starb 1991 in Warendorf und seinen Erben verkauften das Wald- und Wiesengelände "Rigauds Busch" 1995 an eine Bocholter Immobilienfirma.
Bürgerpark Bergfrede
Um die zukünftige Gestaltung und Nutzung dieser naturbelassenen Flächen wurde lange Zeit zwischen dem Eigentümer, der Stadtverwaltung und den Bürgern, vertreten durch den Hamminkelner Verkehrsverein (HVV), gerungen. Das Grundstück am Ortsrand weckte Begehrlichkeiten zur Wohnbebauung, deren Baupläne aber verworfen wurden.Die ersten Überlegungen zur Errichtung einer Parkanlage entstanden mit der Gründung des Hamminkelner Verkehrsvereins e. V. (HVV) durch Otto Schlebes am 30.10.1974.
1998 wurde die alte Gartentoranlage
"Oertmann" an der Blumenkamper Straße Ecke, Molkereistraße mit
Genehmigung des Grundstückeigentümers als Eingangstor zum Bürgerpark
Bergfrede aufgebaut. Die Mauerpfeiler wurden neu errichtet und mit
Kupferabdeckungen versehen sowie eine Messingtafel mit dem Namen der ehemaligen
Eigentümerin angebracht. Das
schmiedeeiserne Tor hat man verzinken lassen und ein neues Schloss
eingebaut. Im Eingangsbereich wurden dann noch ca. 50 m Taxushecke
beidseitig des Tores gepflanzt.Heinz Breuer gelang es in der Zeit als HVV-Vorsitzender, das Projekt Bürgerpark Bergfrede umzusetzen. Seit dem 1. Juli 2001 konnten die letzten neun Hektar des schönen Waldstücks mit alten Baumbestand vom HVV gepachtet werden. Daraufhin wurde gemeinschaftlich mit dem NABU ein Wegekonzept erarbeitet und umgesetzt. Mit vielen freiwilligen Helfern und engagierten Unterstützern wurden in zahlreichen Stunden ehrenamtlicher Eigenleistung die tieferen Bodenmulden auf der Streuobstwiese mit Erde aufgefüllt, Röhren in dem zu überquerenden Graben am Woyweg eingebracht und anschließend verfüllt sowie Wege angelegt. Das Projekt wurde tatkräftig von Christoph von Mulert mit schwerem Gerät unterstützt. Mehrere der alten Bäume mussten wegen der Verkehrssicherheit auf den Wegen fachgerecht aufgeastet, einige sogar entfernt werden.
2023 wurde auf Initiative von Heinz Breuer mit finanzieller Förderung
und Spenden die neu geschaffene Anlage als
nachhaltiges Klimaschutzprojekt erweitert. So entstand ein drei Meter
hohes Insektenhotel, diverse Nistkästen für Vögel, eine
Handschwengelpumpe, eine Sitzbank mit Abfallbehälter und es wurden
heimische Bäume angepflanzt. Die eingezäunten Wildblumenbeete werden
jährlich neu mit Wildblumenmischungen gesät. Die Bewässerung in den
Sommermonaten erfolgt durch freiwillige Helfer von Hand mit der
Schwengelpumpe und Gießkannen.Im April 2023 wurde zum Anlass des 45-jährigen Bestehen der "HSV-Senioren-Sportgruppe" unter Leitung von Heinz Breuer eine Linde im Bürgerpark Bergfrede gepflanzt.
Am 03. Oktober 2023, dem Tag der Deutschen Einheit, pflanzten Mitglieder der Senioren-Union Hamminkeln im Bürgerpark Bergfrede einen Maulbeerbaum, der typische Baum der Mark Brandenburg, den eine Delegation unter Führung von Heinz Breuer im August 2023 in Hamminkelns Partnergemeinde Neuhardenberg geschenkt bekam. Im Juli 2024 hat man die Skulptur "In Memoriam Germaniae" aufgestellt.
Leider sorgten in letzter Zeit einige Ratten für Ärger, da sie unter anderem durch Vogelfutter angelockt wurden und auch Schäden am Bienenhotel anrichteten. Die Vogelfutterstellen hat man deshalb wieder entfernt, um den Schädlingen keine weitere Nahrung anzubieten.
Die letzte ortsnahe Naturlandschaft im Hamminkelner Ortskern bietet einem erholsamen Kontrast zur Wohnbebauung, die leider immer mehr Platz in Anspruch nimmt, während solche "grünen Oasen” oft weichen müssen.
Die Initiative, die sich um den Bürgerpark Bergfrede kümmert, freut sich über weitere praktische und finanzielle Unterstützung. Spenden an die Aktionsgruppe können auf das Konto DE 36 3565 0000 1001 2552 54 bei der Nispa Wesel gerichtet werden.
Letzte Aktualisierung: 18. August 2026