Logistikzentrum Fiege in Hamminkeln

Direkt an der Hamminkelner Autobahnauffahrt westlich der B473 baut der Logistikdienstleister Fiege ein neues Verteilzentrum. Fiege ist ein über 150 Jahre altes Familienunternehmen aus Greven, das seit 2019 von den beiden Cousins Felix Fiege und Jens Fiege in der fünften Generation geleitet wird.
Die Firma mit rund 130 Standorten in 13 europäischen Ländern sowie dem Fernen Osten sucht schon länger nach geeigneten Flächen, um weiter wachsen zu können. Der Standort Hamminkeln direkt an der Autobahn und Bundesstraße ist für dieses Geschäft wie geschaffen. Die Nähe zum Ruhrgebiet und den Niederlanden machen den Standort besonders attraktiv für das Logistikgeschäft. Fiege Real Estate plant, baut und betreibt die Gebäude mit eigenen Mitarbeitern.
Flächennutzungsplan Fiege
Auf einem ca. 94.000 m² großem Grundstück werden fünf zusammenhängende, drittverwendungsfähige Logistikhallen mit einer Fläche von insgesamt 53.000 Quadratmeter und einer Höhe von 14,50 m errichtet. Auf einer Fläche von rund 3400 Quadratmetern entstehen Büro- und Sozialflächen. Weitere rund 25.000 Quadratmeter für rund 212 Pkw-Stellplätze und 21 Lkw-Warteplätze werden befestigt. Rund 12% des Areals bleiben als Grünfläche erhalten. Zudem wird auch eine neue Park & Ride-Anlage mit 100 Parkplätzen errichtet, die den jetzt schon überlasteten Platz gegenüber Bonita ersetzen wird.
Die Isselburger Straße (B 473) ist der Zubringer zur Autobahn-Anschlussstelle von Hamminkeln. Die Zufahrt zur Autobahn erfolgt über einen vierten Arm an der nördlichen Anschlussstelle. Die Erschließung der Zufahrt von der B473 ist Aufgabe der Stadt und wird rund 333.000 Euro kosten.
Das Multi-User-Center wird mit dezentralen Luft-Luft-Wärmepumpen beheizt. Auf rund 80 Prozent der Dachflächen wird Photovoltaik mit einer Leistung von über 6.500 kWp installiert. Die Beleuchtung mit modernster LED-Technologie ist heute Standard und wird auch hier angewendet. Durch automatisierte Gebäudeleittechnik und smarte Monitoring-Tools wird der Energieverbrauch des Mega-Centers optimiert.
Einer verringerten Grundwasserneubildung durch die Bodenversiegelung wird mit Versickerungsmulden und wasserdurchlässigem Pflaster auf den Stellplätzen begegnet. Da die Lkws kontaminiertes Wasser aus dem Strßenverkehr mitbringen, muss dieses zunächst gesammelt und später abgefahren werden. Mit dem Einbau einer First-Flush-Anlage zur Ableitung von Straßenabwasser werden Schadstoffe wie Schwermetalle und Mikroplastik von den Gewässern weitgehend ferngehalten.
Das Logistikcenter wird für Kunden aus verschiedenen Branchen ausgelegt. Die Hauptkunden kommen aus dem Spirituosen- und Getränkebereich. In den hochmodernen Hallen wird die Ware gelagert, verpackt, verschickt, aber auch weiterverarbeitet, sowie Retouren bearbeitet. Rund 200 stationäre Mitarbeiter sollen im 2-Schichtbetrieb den Transport und die Zustellung organisieren. In wenigen Ausnahmefällen kann auch am Wochenende gearbeitet werden. Die Stadt hofft durch die Ansiedlung auf viele neue Arbeitsplätze.
In den Köpfen vieler Menschen ist das Thema Logistik der typische Transport mit Lkws auf der Straße. In den Hallen findet aber noch viel mehr statt. Hier werden die Produkte veredelt, Aktionsartikel hinzugefügt und es werden Displays gebaut. Das Bauen von Displays sind in der Logistik Dienstleistungen, wie spezielle Verkaufsaufsteller (oft aus Pappe). Die Logistikdisplays werden konstruiert, mit Produkten bestückt und für den Einsatz am Verkaufsstandort vorbereitet, um Impulskäufe zu fördern und die Warenpräsentation zu optimieren. Als Innovationsführer in der Branche übernimmt Fiege diesen Prozess, um den Einzelhandel zu entlasten und eine schnelle, effiziente Warenverfügbarkeit zu gewährleisten, indem sie das Handling von der Lagerung bis zur Bestückung übernehmen. Das ist ein wachsendes Geschäft, denn die Kunden haben im Supermarkt nur eine bestimmte Anzahl an Flächen zur Verfügung. Diese Mehrwertdienste werden kundenspezifisch angeboten, um die Kundenzufriedenheit zu erhöhen und sich vom Wettbewerb abzuheben. Der Logistikdienstleister baut im Jahr rund 400.000 dieser Displays und veredelt über zwei Millionen Kartons. Verschiedene Verpackungsautomaten, Palettiermaschinen, Etikettierer und autonome Transportsysteme sind voll in den Prozess integriert.
Dieser Value-Added-Service-Bereich ist der personalintensivste Bereich und sehr individuell. Deshalb sucht Fiege schon vor dem Baustart nach geeignetem Fachpersonal. Das Unternehmen will in Hamminkeln mehrere Auszubildende im kaufmännischen und gewerblichen Bereich einstellen.
Man rechnet mit rund 150 Lkws, die täglich die Firma verlassen. Wie insgesamt der Trend in der Logistikbranche zu beobachten ist, vermehrt sich der Einsatz von KI. Dadurch wird die Verteilung der Pakete über den ganzen Tag gewährleistet und man hat nicht diesen Push morgens um 6 Uhr, wenn alle wegfahren oder abends, wo sie alle wiederkommen. Mit wechselnden Produkten, Saisonalitäten und mit wechselnden Mengen müssen immer wieder die Regeln neu definiert werden. Ein ausgeklügeltes System mit mathematischer KI steuert, wann die Lkws kommen und dem Straßenverkehr wieder zugeführt werden.
Die Thematik um diesen Neubau wurde in den Fachausschüssen mehrfach diskutiert. Kritik an dem Megavorhaben gab es vor allem von den Grünen wegen des riesigen Landschaftsverbrauchs. "Diese Größe hat es in Hamminkeln bisher noch nicht gegeben. Hier wird ein Mega-Landschaftsverbrauch mit all seinen Folgen in Kauf genommen für eine zweifelhafte und wenig nachhaltige Gewerbeansiedlung", meinte Johannes Flaswinkel.
Und das andere ist die Verkehrssituation, darauf hatte die SPD schon des Öfteren hingewiesen. Der Rückstauverkehr auf der A3 nach Bocholt ist immens, gerade zu den Hauptverkehrszeiten. Und dieses Problem wird sich mit dieser Ansiedlung nach Ansicht von Jörg Adams deutlich verschärfen. Da es schon jetzt in Stoßzeiten zu Rückstaus auf der Autobahnrampe der A 3 und an den Ampeln auf der B473 kommt, werden sich einzelne Rückstaus signifikant verlängern. Auch viele Einwohner von Hamminkeln kritisierten die Mehrbelastung der bestehenden Straßen und äußerten Bedenken zum Immissionsschutz.Baustart Logistikcenter HamminkelnIm Dezember 2022 beschloss der Stadtrat in einer nicht-öffentlichen Sitzung die Fläche an Fiege zu verkaufen. Da das Areal als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen war, wurde der Flächennutzungsplan geändert, um das Projekt umsetzen zu können. Künftig wird es als "Sondergebiet Logistik" geführt werden.
Nachdem der genehmigte Bebauungsplan rechtsgültig wurde, konnte das Unternehmen einen Bauantrag stellen. Nach Abwägung aller eingegangenen Stellungnahmen, Bedenken, Anregungen und Mitteilungen von Behörden und der Öffentlichkeit erfolgte im Juli 2025 der Satzungsbeschluss zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan durch den Rat der Stadt Hamminkeln.
Der entstehende Eingriff in Natur und Landschaft wird teilweise durch den Erwerb von Biotopwertpunkten bei der Unteren Naturschutzbehörde ausgeglichen.
Nach langem Behördenkampf konnte der Bau im September 2025 starten. Zunächst hat man das Gelände eingezäunt, die Baustelle eingerichtet und videoüberwacht. Damit der Baustellenverkehr möglichst reibungslos läuft wurde auf der B473 eine Abbiegespur für die Baustellenfahrzeuge eingerichtet.
Um die Tragfähigkeit des Baugrundes zu erhöhen wurde der Lehmboden verdichtet und mit Kalk stabilisiert. Im Dezember wurden die ersten Fertigbetonstützen aufgestellt. Die Fertigstellung des Logistikzentrums ist für Herbst 2026 geplant.

Letzte Aktualisierung: 01. Januar 2026