Fahrwasserkennzeichen an Brücken

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Die Markierung von Fahrwassern an und unter Brücken dient der sicheren Passage von Schiffen und Booten. Die Kennzeichnung mit Schildern und Leuchtfeuern regelt, wo gefahren werden darf, wer Vorfahrt hat und welche Bereiche gesperrt sind.
Ist die Durchfahrt über die gesamte Spannweite der Brückenöffnung möglich, werden die Kennzeichnungen an den Brückenpfeilern angebracht. Ist die Durchfahrt nur in einem Teil der Öffnung möglich, werden die Kennzeichnungen an oder unter der Brückenöffnung angebracht und die Grenzen des schiffbaren Fahrwassers markiert.

Laterale Fahrwassermarkierung unter Brücken

Wenn Brücken breite Wasserstraßen überspannen, wird das Fahrwasser häufig direkt an den Brückenpfeilern oder Bögen analog zur normalen Fahrwasserbetonnung fortgeführt:

  • Rote Schilder / Lichter markieren in Strömungsrichtung die rechte Seite (Steuerbord) des Fahrwassers.

  • Grüne Schilder / Lichter markieren in Strömungsrichtung die linke Seite (Backbord) des Fahrwassers.

Schiffe müssen sich zwischen diesen Markierungen halten, um Kollisionen mit den Brückenpfeilern oder flacheren Uferzonen zu vermeiden.

 

Bei den beiden unten stehenden Grafiken sind die unteren Markierung an der Brücke für die talfahrenden Schiffe eingezeichnet und die oberen für die bergfahrenden Schiffe. Hier gilt für Länder in der Betonnungsregion A (Europa, Afrika und Asien) folgendes:

Brückendurchfahrt Einweg

An Steuerbord ein rotes, gleichseitiges Dreieck, dessen Spitze nach oben zeigt. An Backbord eine Tafel mit einem vollflächig grünen Quadrat. Empfohlene Durchfahrt ohne Gegenverkehr.

Brückendurchfahrt mit Gegenverkehr

An Steuerbord ein rotes, gleichseitiges Dreieck, dessen Spitze nach oben zeigt. An Backbord eine Tafel mit einem vollflächig grünen Quadrat. Empfohlene Durchfahrt mit Gegenverkehr. Für Länder in der Betonnungsregion B (hauptsächlich Nord- und Südamerika) ist es genau umgekehrt.

Durchfahrtsrechte und Einschränkungen (Tafelzeichen)

Diese quadratischen oder rechteckigen Schilder sind direkt an den Brückenbögen oder Pfeilern angebracht:

Zeichen Bedeutung
D.1 Gelbe Raute Empfohlene Durchfahrt, aber mit Gegenverkehr.
D.1  D.1 2 gelbe Rauten Empfohlene Durchfahrt, aber für den Gegenverkehr gesperrt.
A.1 Rot-Weiß-Rot
(waagerecht gestreift)
Diese Brückenöffnung darf absolut nicht durchfahren werden (Gegenverkehr, Baustelle oder zu flach).
A.10  2 rot-weiße Rauten
nebeneinander 
Durchfahrt außerhalb der gekennzeichneten Beschilderung ist verboten. Gilt nicht für Kleinfahrzeuge. 
D.2 2 grün-weiße Rauten
nebeneinander 
Empfehlung, sich in dem durch die Tafeln begrenzten Raum zu halten . 

Brückenmarkierung Backbord  Brückenmarkierung Mitte  Brückenmarkierung Steuerbord

Kennzeichnung bei Nacht

Zur Kennzeichnung der Grenzen der befahrbaren Fahrrinne können rote oder grüne Leuchtfeuer verwendet werden. Ist die Durchfahrt über die gesamte Spannweite der Brücke möglich, sind die Lichter an den Brückenpfeilern angebracht. Ist die Durchfahrt nur in einem Teilbereich der Spannweite möglich, werden die Lichter unter der Spannweite angebracht und so positioniert, dass sie die Grenzen der befahrbaren Fahrrinne markieren. Die optimale Durchfahrtsstelle (oder -stellen) wird durch ein weißes Blinklicht oder mehrere weiße Blinklichter gekennzeichnet. Bereiche der Brückenöffnungen, die nicht durch rote und grüne seitliche Lichter gekennzeichnet sind – wie etwa Öffnungen für Kleinfahrzeuge –, werden durch spezielle gelbe Lichter markiert. Als Alternative oder Ergänzung zu Leuchtfeuern können die empfohlenen Tagzeichen angestrahlt werden.
Bei manchen Brücken werden die Brückenpfeiler angestrahlt, um eine zufriedenstellende Kennzeichnung des befahrbaren Bereichs zu ermöglichen. Zur Verbesserung der Erkennbarkeit von Tagzeichentafeln bei Nacht werden diese oft mit retroreflektierendes Material in entsprechender Farbe verwendet.
AIS-AtoN können zudem die Bereitstellung von Informationen zur Sicherheit der Schifffahrt (MSI) für den Betrieb der Brücke und der zugehörigen Fahrrinne unterstützen.
Bei einigen Brücken sind Racons installiert, um die "optimale Durchfahrtsstelle" unter einer Brücke zu kennzeichnen.

Radar zur Kollisionsvermeidung

Brückenpfeiler in Flüssen oder Kanälen stellen für die Binnenschifffahrt ein erhebliches RadarreflektorKollisionsrisiko dar. Das Schiffsradar ist bei Nacht oder bei Nebel das wichtigste aktive Instrument zur Kollisionsvermeidung in der Seefahrt. Im Gegensatz zu passiven Systemen wie AIS, die auf die Sendedaten anderer Schiffe angewiesen sind, ortet ein Radar eigenständig und in Echtzeit alle physikalischen Objekte in der Umgebung.
Binnenschiffe tasten ihre Umgebung mit rotierenden Radarantennen ab. Brückenpfeiler aus Beton oder Stahl besitzen einen hohen Radarquerschnitt (RCS) und werfen starke Echos zurück.
Eine bessere Radarerkennung von Brückenpfeilern oder Fahrrinnenbegrenzungen kann durch Radarreflektoren ermöglicht werden, die entweder an Dalben oder an der Brückenkonstruktion befestigten Stangen angebracht sind. Diese werfen die Mikrowellen des Schiffsradars gebündelt zur Quelle zurück und erzeugen ein unmissverständliches, helles Signal auf dem Radarbildschirm des Schiffsführers.

Durchfahrtshöhen und Pegel

BrückenpegelDa sich der Wasserstand durch Gezeiten (Tide) oder Hochwasser ständig ändert, befinden sich an vielen Brücken Brückenpegel (Lattenpegel) mit umgekehrter Messskala. Diese vertikalen Skalen zeigen die aktuelle lichte Durchfahrtshöhe direkt in Metern oder Dezimetern an. Steigt der Wasserstand im Fluss, sinkt die am Brückenpegel abgelesene Durchfahrtshöhe – und umgekehrt.  Es gibt Brücken, bei denen der Brückenpegel auch mit Pegeluhren oder digital angezeigt wird.
Schiffsführer müssen diese Werte mit der Höhe ihres eigenen Schiffes (inklusive Antennen und Aufbauten) abgleichen, um eine Havarie zu vermeiden.
Die Brückendurchfahrtshöhe wird in den Seekarten für die Binnenschifffahrt in der Regel auf den höchsten Schifffahrtswasserstand (HSW) angegeben, bei dessen Überschreiten die Schifffahrt eingestellt werden muss.
Die aktuelle pegelabhängige Brückendurchfahrtshöhe wird manchmal mit Sensoren gemessen und über AIS-AtoN übermittelt und auf Kartenplottern von Schiffen anzeigt.

Ampelsignale bei beweglichen Brücken (Klapp- und Drehbrücken)

Bei Brücken, die für die Schifffahrt geöffnet werden müssen, regeln Lichtsignale die Einfahrt:

F R
F R
2 rote Lichter übereinander Durchfahrt verboten (Brücke bleibt geschlossen oder ist dauerhaft gesperrt).
F RF RF R 3 rote Lichter nebeneinander Durchfahrt verboten (Brücke geschlossen, sie kann vorübergehend nicht geöffnet werden).
F RF R 2 rote Lichter nebeneinander Durchfahrt verboten (Brücke ist geschlossen, wird aber demnächst geöffnet).
F R 1 rotes Licht Durchfahrt verboten (Brücke in Bewegung).
F GF G 2 grüne Lichter nebeneinander Durchfahrt frei (Brücke geöffnet).

Bei einem zusätzlichen weißen Licht über den roten Signallichtern darf ein Wasserfahrzeug auch die geschlossene Brücke unter Berücksichtigung der Höhe und des Gegenverkehrs durchfahren.

 

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