Geografischer Mittelpunkt der EU

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Die Berechnung des europäischen Kontinents geht bis auf das Jahr 1775 zurück. Ein polnischer Kartograf sprach dem Städtchen Suchowola in Polen diese Ehre zu. Seitdem schwanken diese Berechnungen je nach Auftraggeber. Der Massenschwerpunkt, also unter Berücksichtigung der Gebirge, liegt in Litauen. Auch der Mittelpunkt der Länder mit Euro-Währung wird berechnet und lag 2010 in Frankreich.
Die Fläche der Europäischen Union nimmt nur einen Teil des europäischen Kontinents ein, beinhaltet allerdings auch Bereiche außerhalb des europäischen Kontinents.
Es gibt verschiedene Methoden, wie der Mittelpunkt eines Gebiets ermittelt werden kann. Bei der Berechnungsmethode hat man den Flächenschwerpunkt herangezogen. Schwerpunkt einer Oberfläche, deren Umfang bekannt ist, auf einem Ellipsoid zu berechnen Diese Methode wurde 1980 von dem französischen Ingenieur Jean-Georges Affholder definiert. Damals lag das EU-Zentrum in Saint-André-le-coq und verschob sich am 3. Oktober 1990 mit der Wiedervereinigung Deutschlands 33 km in östliche Richtung. Mit der EU-Norderweiterung 1995 zog das Zentrum der EU in die Nähe der belgischen Ortschaft Viroinval (Centre géographique de l'Europe des 15). Ab 2004 war Kleinmaischeid bei Neuwied in Rheinland-Pfalz der geografische Mittelpunkt der Europäischen Union.
Heute kann man Erdoberflächen bis auf wenige Quadratmeter per Satellit ausmessen. Das französische "Institut national de l’information géographique et forestière" (IGN) hat den EU-Mittelpunkt immer wieder neu berechnet. Durch die EU-Beitritte und den Austritt von Großbritannien hat sich der Mittelpunkt immer wieder geändert. So zog die Landmarke in den letzten rund 65 Jahren von Belgien über Frankreich und wieder zurück nach Belgien schließlich nach Deutschland.
Ehemaliger EU-Mittelpunkt in Gelnhausen-Meerholz
Position: 50°10'18,1" N - 9°08'55,5" E Ehemaliger EU-Mittelpunkt Meerholz
Foto: November 2025
Mit der Erweiterung um Bulgarien und Rumänien wanderte das geografische Zentrum der Staatengemeinschaft 2007 von Kleinmaischeid in Rheinland-Pfalz in östlicher Richtung nach Gelnhausen-Meerholz in Hessen.
Dadurch wurde aus einem irrelevanten Acker ein Begegnungsplatz mit einem Gedenkstein, an dem die Bürger der EU symbolisch vereint sind.
Um die Mantelfläche der runden Wegemarke wurde ein Metallreif montiert, an dem die Länderkürzel der 27 EU-Mitgliedsstaaten eingraviert sind. 26 eingefrästen Rillen auf der oberen Stirnfläche des Steins zeigen dabei die Richtung zu den anderen EU-Staaten an. In der Mitte der drei Tonnen schweren Wegemarke aus rotem Sandstein ist eine Kompassrose angebracht. In deren Zentrum befindet sich ein Hohlkörper, der bei der Einweihung  am 1. Juli 2007 mit Erde der 27 Mitgliedsstaaten gefüllt wurde. Die Öffnung ist durch eine Messingkappe mit eingravierter Friedenstaube verschlossen.
Es gibt einen 13,5 km langen EU-Mittelpunkteweg, der vom ehemaligen EU-Mittelpunkt in Gelnhausen-Meerholz zum Folge-EU-Mittelpunkt in Westerngrund führt. Man wandert mit schönen Aussichten auf das Kinzigtal, vorbei an einem abgeschiedenen Waldsee und zum Abschluss durch die Hügellandschaft des Vorspessarts mit wunderbaren Ausblicken in den Kahlgrund.
Ehemaliger EU-Mittelpunkt in Westerngrund
Position: 50°06'48,02" N - 9°15'09,01" E Geodätischer Rferenzpunkt Westerngrund
Foto: November 2025
Durch den Beitritt Kroatiens zur EU wanderte der EU-Mittelpunkt 2013 in die unterfränkische Gemeinde Westerngrund. Dort hat er sich durch den Beitritt des französischen Überseedepartments Mayotte nochmals um rund 500 m südöstlich verschoben.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich eine quadratische Steinsäule mit dem geodätischen Referenzpunkt Westerngrund. Er ist mit zentimetergenauen Koordinaten markiert und dient als Kontrollpunkt zur Überprüfung der Genauigkeit von GPS- und GNSS-Empfängern. Wenn man sein GPS-Gerät auf das Bezugssystem WGS84 einstellt, kann man die Messwerte mit den Koordinaten des geodätischen Referenzpunkts vergleichen.
Vor dem Steinfeld mit der Beschriftung "WESTERNGRUND" stehen fünf Fahnenmaste mit den Fahnen von links nach rechts: Westerngrund, Bayern, Europa, Deutschland, Unterfranken.

Die Europafahne markiert den exakten Mittelpunkt. Vor der Europafahne befindet sich eine von Künstlern aufgestellte Säule mit einer befüllten Flasche mit der Erde der bis dahin 27 Mitgliedern der EU und in dem kleinen Behältnis darüber die Erde von Kroatien. Einige aufgestellte Tafeln an der gepflegten Anlage informieren über die EU und den EU-Mittelpunkte-Wanderweg.

Ehemaliger EU-Mittelpunkt Westerngrund

Anlässlich der Einweihung des neuen EU-Mittelpunktes am 10. Mai 2014 wurde von der Bayerischen Gartenschaustadt Alzenau eine Winterlinde gestiftet. Sie kann ein Alter bis zu 1000 Jahren erreichen.
Am 20. Oktober 2015 brachte die Bundestagsabgeordnete Frau Andrea Lindholz Erde vom Mittelpunkt der EU aus Westerngrund zur Kunstinstallation "DER BEVÖLKERUNG" von Hans Haackes im Innenhof des Reichstages.

EU-Mittelpunkt in Gadheim, Veitshöchheim
Position: 49°55'34,7" N - 9°54'07,0" E Mittelpunkt EU
Fotos: März 2024
Mit dem Brexit am 31. Januar 2020 verschob sich der geografische Mittelpunkt der EU in das kleine Dorf Gadheim der fränkischen Gemeinde Veitshöchheim im Landkreis Würzburg.
An dem errechneten Punkt hat man ein gepflastertes Rondell und einen Findling aus Muschelkalk aufgestellt, auf dem eine weiß-rot-gestreifte Stange, ein Fluchtstab montiert, wie ihn die Landvermesser verwenden.
Daneben steht eine Infotafel auf der die Mitgliedsländer der Europäischen Union und die Position von Gadheim eingezeichnet sind, sowie ein Selfie-Point in Form eines überdimensionalen Bilderrahmens.
Am Rand des Feldwegs stehen die Fahnen von Deutschland, der EU und Veitshöchheim. Ein Weinstock mit roten und einer mit weißen Reben repräsentieren die fränkischen Farben.
Zur Europäischen Union gehören stand 2025 die 27 Länder: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn und Zypern.
Irgendwann wird der geografische Mittelpunkt der Europäischen Union wieder wandern, denn die neun EU-Beitrittskandidaten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Georgien, die Republik Moldau, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien, die Türkei und die Ukraine haben (Stand 2025) den offiziellen Status als EU-Beitrittskandidaten.
Mittelpunkt EU
Mittelpunkt der EU

Historische Mittelpunkte der Europäischen Union

25.03.1957 Belgien   Gründung EG
01.01.1986 Saint-André-le-coq (F) 45°57′53" N - 3°18′44" O Beitritt Spanien u. Portugal
03.10.1990 Saint-Clément, Allier (F) 45°57′33" N - 3°45′08" O Wiedervereinigung Deutschlands
01.01.1995 Viroinval, Belgien 50°04′30" N - 4°32′51" O 15 Mitgliedsstaaten EU
01.05.2004 Kleinmaischeid, Neuwied 50°31′31" N - 7°35′50" O EU-Osterweiterung
nach 2004 Kaschubenweg in Cölbe 50°51′10" N - 8°46′43" O Neuberechnung des Institut für theoretische Geodäsie in Bonn
03.01.2007 Gelnhausen-Meerholz 50°10′18" N - 9°08′56" O Beitritt Bulgarien u. Rumänien
01.07.2013 Oberwestern, Westerngrund 50°06′51" N - 9°14′39" O Beitritt Kroatiens
01.01.2014 Westerngrund 50°06′48" N - 9°15′09" O Beitritt von Mayotte
01.02.2020 Gadheim, Veitshöchheim 49°55'35" N - 9°54'07" O Brexit

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