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Maritime Rescue Co-ordination Centre (MRCC) Bremen
Wer auf Nord- und Ostsee in
Not gerät, ruft über Funk "Bremen Rescue". Hier laufen alle Notrufe und
Meldungen über Seenotfälle auf See zusammen. Die Rettungsleitstelle ist
technisch hochmodern ausgestattet, um eine zuverlässige Kommunikation über
verschiedene Frequenzbereiche und Systeme (wie GMDSS, UKW, Grenz- und Kurzwelle)
zu gewährleisten. Rund um die Uhr werden sämtliche Hilfeleistungen aus der
Bremer Wache mit erfahrenen Nautikern und Funkern koordiniert.
Die heutige
Rettungsleitstelle See begann ihre Arbeit nach dem Zweiten Weltkrieg als
"Funkbude" unter dem Dach der DGzRS-Zentrale mit einfachsten Mitteln.
Der Begriff "Funkbude" ist eine saloppe, traditionelle Bezeichnung für einen
Funkraum oder eine Funkstation, die in der maritimen Szene verwendet wird, um
den zentralen Ort der Kommunikation zu beschreiben. Ihre
Bedeutung wuchs mit zunehmenden Aufgaben im maritimen Such- und Rettungsdienst.
Die Rettungsleitstelle See ist zuständig für alle Notlagen, in denen
menschliches Leben auf Nord- und Ostsee in Gefahr ist. lm internationalen
Sprachgebrauch wird sie Maritime Rescue Co-ordination Centre (MRCC) genannt.
1927 wurde international festgelegt, im Sprechfunkverkehr den Notruf "Mayday"
(abgeleitet vom französischen "m'aidez" (Helft mir) zu verwenden. Das erste
Motorrettungsboot der DGzRS erhielt 1929 ein Sprechfunkgerät. 1943 verfügten
alle Rettungsboote über Sprechfunk.
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg war die Zentrale der DGzRS in Bremen vollständig zerstört.
Nach Kriegsende wurde die Seenotdienstleitung in Cuxhaven aufgebaut. Bereits zu dieser Zeit dienten 14
Seenotfunkstellen der DGzRS an der Küste als Relaisstationen zwischen der
Seenotdienstleitung und den Küstenfunkstellen der Post einerseits sowie der
Rettungsflotte andererseits. Zum Teil koordinierten sie auch selbstständig
Einsätze. lm Frühjahr 1949 zog die Seenotleitung zurück an die Werderstraße 2
in Bremen. Bereits
kurz nach dem Umzug der DGzRS in die Bremer Neustadt stellten 1952 unter dem
Dach des kleinen Verwaltungsgebäudes drei fest angestellte Funker eine
Rund-um-die-Uhr-Präsenz sicher.
1965 erkannte die Bundesrepublik Deutschland
im Seeaufgabengesetz die DGzRS als alleinigen Seenotrettungsdienst an. Die
Seenotleitung entwickelte sich zur vorrangigen, später alleinigen
Koordinierungsstelle für alle Maßnahmen des maritimen SAR-Dienstes (SAR = Search
and Rescue, Suche und Rettung) in den deutschen Gebieten von Nord und Ostsee -
so wie es bis heute ist.
Die 1979 in Hamburg verabschiedete International
Convention on Maritime Search and Rescue schuf weltweit einheitliche und
verbindliche Regelungen für SAR-Dienste. Der Begriff Rescue Co-ordination Centre
(RCC) entstand. Aus der Seenotleitung wurde eine Rettungsleitstelle. Sie
übernahm immer mehr zentrale Funktionen. 1982 übertrug die Bundesrepublik
Deutschland diese hoheitliche Aufgabe verbindlich an die weiterhin unabhängig
und eigenverantwortlich handelnde DGzRS. Wenige Jahre später entstand der bis
heute gebräuchliche Begriff Maritime Rescue Co-ordination Centre (MRCC).
Koordinierung der Suche
MRCC Bremen koordiniert sämtliche SAR-Maßnahmen, bestimmt das Suchgebiet anhand
von Uhrzeit, Windrichtung und -stärke, Seegang und Gezeitenströmung, sowie des
vom Automatic Identification System (AIS) erzeugten Lagebilds, legt
für die DGzRS-Rettungseinheiten und alle an der Rettungsaktion
beteiligten Schiffe und Luftfahrzeuge entsprechende Suchkurse fest und weist sie
zu, immer in Abstimmung mit dem Einsatzleiter vor Ort (On-Scene Co-ordinator).
Für alle Einsatzkräfte sind diese Vorgaben verbindlich. Viele weitere
Aufgaben kommen hinzu. MRCC Bremen unterstützt den fliegenden SAR-Dienst der
Marine bei Luftnotfällen über See, veranlasst ärztliche Hilfe und Evakuierung
Schwerkranker und Schwerverletzter auf See, recherchiert für ausländische MRCCs
bei Anfragen und vieles mehr. Im Rahmen der maritimen öffentlichen
Gefahrenabwehr arbeiten die Seenotretter auch eng zusammen mit den kommunalen
Leitstellen der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) an
Land (Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei).
UKW-Funknetz SARCOM
Alarmierung und Nachrichtenaustausch zwischen dem MRCC und den
Rettungseinheiten verbesserten sich 1988 erheblich. Die DGzRS nahm das
Funksystem SARCOM mit ihr vorbehaltenen Seefunkkanälen in Betrieb. Insgesamt 19
Relaisstationen an exponierten Küstenpunkten decken das Einsatzgebiet lückenlos
ab. Sie verbesserten die Verständigungsqualität unabhängig von
Witterungseinflüssen und Störgeräuschen deutlich und ermöglichten eine direkte
Alarmierung der Freiwilligen Besatzungen über tragbare Kleinempfänger
(mittlerweile über Mobilfunk). Seit Anfang 1992 ist MRCC Bremen über das
weltweite Seenot- und Sicherheitsfunksystem (Global Maritime Distress and Safety
System, GMDSS) an die lnmarsat-Satellitenkommunikation angeschlossen. Wird ein
Notruf manuell oder durch Aufschwimmen einer Seenotfunkboje ausgelöst, melden
Satelliten ihn innerhalb weniger Minuten an eine Erdfunkstelle, die direkt mit
MRCC Bremen verbunden ist. MRCC Bremen ist der nationale SAR Point of Contact
(SPOC) und verbreitet SAR-relevante Meldungen über Inmarsat.
Bremen Rescue
Ende 1998 ging eine Seefunk-Ara zu Ende. Die
Satellitenkommunikation löste die terrestrischen Funkgespräche ab. Die letzte
deutsche Küstenfunkstelle Norddeich Radio stellte den Betrieb mit ihrer
veralteten Technik ein. Die Küstenfunkstelle war damals für Seeleute, Reedereien
und Familien der einzige Weg für traurige und freudige, geschäftliche und
private Nachrichten. Für große Nähe und Bekanntheit sorgt auch die
NDR-Hörfunksendung "Gruß an Bord", die Norddeich Radio seit 1953 an Heiligabend
in alle Welt ausstrahlt. Doch die Hörwache für Notrufe wird weiterhin
gebraucht, denn sie ist besonders wichtig für die Küsten- und Kleinschifffahrt,
die nicht unter die Ausrüstungspflicht mit Satellitenfunk fällt. Um die
Hörwache auf dem internationalen UKW-Sprechfunk-Not- und Anrufkanal 16
sicherzustellen und den wichtigen DSC-Kanal 70 (digitaler
Selektivruf/Alarmierung per Tastendruck) zu überwachen, richtete die DGzRS zum
Jahreswechsel 1998/1999 die Seenotküstenfunkstelle Bremen Rescue Radio (BRR)
ein. Sie wickelt den Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr auf den
internationalen UKW-Sprechfunk-Not- und Anrufkanälen ab, sendet und wiederholt
Not- und Dringlichkeitsmeldungen für die gesamte Schifffahrt. Seit Oktober
2012 überwacht BRR auch den Grenzwellen-Seefunkkanal für Seenotrufe außerhalb
der Reichweite des UKW-Funks (mehr als etwa 30 Seemeilen entfernt von der
nächsten UKW-Relaisstation an Land). Die vorherige Umleitung über die dänische
Küstenfunkstelle Lyngby Radio entfällt seither.
Notfallleitstelle Offshore-Windparks
Teil der Rettungsleitstelle See ist neben dem
MRCC und BRR die 2012 eingerichtete Notfallleitstelle Offshore-Windparks (NOW).
Hintergrund sind die vermehrten Baustellen auf hoher See und zunehmend mehr
Menschen, die diese Anlagen routinemäßig warten und instandhalten müssen. Die
NOW koordiniert im Auftrag der Windparkbetreiber innerbetriebliche Notfälle auf
Windkraftanlagen und Plattformen. Diese liegen im SAR-Bereich der DGzRS, jedoch
sind Notfälle auf festen Bauwerken im Meer keine Seenotfälle. Sie fallen deshalb
nicht unter die primären satzungsgemäßen Aufgaben der Seenotretter. Es hat sich
jedoch als sinnvoll erwiesen, auch diese Aufgabe dort anzusiedeln, wo
Koordinierungs- und Erfahrungskompetenz auf See gebündelt ist. Um die NOW zu
betreiben, hat die DGzRS allerdings seinerzeit die Gesellschaft für maritimes
Notfallmanagement mbH (GMN) gegründet. Denn diese Zusatzaufgabe wird
selbstverständlich nicht aus Spenden finanziert, sondern durch die
Windparkbetreiber. Sie halten eigene Rettungshubschrauber vor, die von der NOW
koordiniert werden.
Medizinischer Arbeitsplatz in der Rettungsleitstelle See (MRCC)
2017 wurde die Rettungsleitstelle See
um einen medizinischen Arbeitsplatz erweitert. Er ist rund um die Uhr mit einem
Notfallsanitäter der Johanniter besetzt. Telemedizinischer Partner der DGzRS ist
das Unfallkrankenhaus Berlin. Sie helfen den Schiffsführern bei medizinischen
Notfällen, da diese die medizinische Erstversorgung auf See übernehmen müssen,
wenn kein Arzt an Bord ist.
Quelle: Die Seenotretter
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